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Anleiheinvestitionen im Niedrigzinsumfeld? – Mit Prospektanalyse zum Erfolg!

Anleiheinvestoren haben inzwischen die Wahl zwischen Papieren, die sich entweder nicht mehr verzinsen oder eine hohe Zinssensitivität und damit Kursrisiken aufweisen. Vor diesem Hintergrund verlangen erfolgreiche Investitionen in festverzinsliche Wertpapiere vor allem eines: Flexibilität. Ein Lösungsansatz ist, den Fokus weg von der Makro- hin zur Mikroanalyse zu bewegen – im Fall von Anleihen also nach prospektrechtlich getriebenen Sondersituationen zu suchen, anstatt der Macht der Zentralbanken ausgeliefert zu sein. Denn Sondersituationen bewegen sich in der Regel nicht mit den Märkten und sind weniger von Veränderungen des Zinsniveaus abhängig; die jeweiligen Begebenheiten des Einzeltitels überwiegen. Die zunehmende Regulierung macht diesen Bereich umso interessanter: Moderne Anleiheprospekt kommen immer häufiger auf 1.000 Seiten und mehr – dies sorgt vor allem dafür, dass immer weniger Marktteilnehmer diese im Detail studieren. Dabei stecken in den Prospekten nicht selten deutliche Hinweise darauf, ob beispielsweise eine Anleihe frühzeitig und mit einer Vorfälligkeitsentschädigung abgelöst wird oder besonderen Besicherungen unterliegt. Auch bei nachrangigen Bank- und Versicherungsanleihen lohnt sich ein Blick in das oft komplexe Prospektwerk: Hier können Investoren vor allem durch die Analyse der regulatorischen Rahmenbedingungen wichtige Rückschlüsse auf Kündigungsanreize ziehen. Denn das sich ändernde regulatorische Umfeld verändert die Anrechenbarkeit diverser Anleihen, je nach individueller Ausgestaltung. Dadurch werden die Papiere nicht selten für die Emittenten nutzlos – frühzeitige Kündigungen, Rückkauf- und Umtauschangebote sind die Folge. Wer die Anreize derartige Transaktionen durchzuführen sorgfältig analysiert, kann marktunabhängige Sondersituationen ausnutzen. Weitere Möglichkeiten könnten sich in den nächsten Jahren auch wieder im Bereich von Staatsanleihen, genauer im Bereich von staatsgarantierter Anleihen, ergeben. Das Emissionsvolumen dieser Anleihen ist seit der Finanzkrise stark angestiegen, gerät ein Emittent, sei es aufgrund von politischen Veränderungen oder direkten wirtschaftlichen Verwerfungen, in Probleme, bleibt oft nur die Restrukturierung der Anleihen. Genau dann ist die sorgfältige Literatur der Garantie- und Prospektbedingungen elementar, um Renditechancen zu identifizieren und Risiken zu bewerten – zuletzt hatte die Restrukturierung in Griechenland im Jahr 2012 die Bedeutung der Anleihenverträge einmal mehr aufgezeigt. Ein Fokus auf prospektgetriebene Sondersituationen im Anleihebereich kann also ein probates Mittel sein, um dem Dilemma, dass das aktuelle Niedrigzinsumfeld darstellt, zu entkommen. Die Chance liegt im Kleingedruckten. 

Nicolas Schmidlin | ProfitlichSchmidlin AG