• Home
  • Statement - Märkte machen selten das, was alle erwarten

Märkte machen selten das, was alle erwarten.

Und so kann man die ersten vier Monate und somit das erste Drittel des Jahres beschreiben. Von dem zum Jahresbeginn von fast allen Brokern- und Investmenthäusern erwarteten Zinsanstieg, einhergehend mit einem schwachen Rentenmarkt und somit festen US-Dollar war nichts zu sehen. Das Jahreshoch im Dollar gegen Euro war am 3. Januar bei 1,04 und der Dollar schloss am 30.04. nicht unter der Parität, wie von allen erwartet, sondern bei 1,09, was einem Rückgang von 5% in vier Monaten entspricht.

Auch der Rentenmarkt liegt Ende April nicht da, wo ihn viele erwartet haben. Mitte Februar erreichte die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen zwar 2,62% nach 2,44% zu Jahresbeginn, schloss aber Ende April bei 2,28%, also tiefer als zu Jahresbeginn. Der REXP schloss die ersten vier Monate nur mit einem Zuwachs von 0,03% ab, also nahezu unverändert.

Die Aktien brachten den erwarteten Erfolg; auf jeden Fall den von uns erwarteten. Im Jahresausblick 2017 erwarteten wir im DAX ein Erreichen der alten Höchststände im Verlauf des Jahres 2017. Das trat hier im April ein und wir sind weiter auf Kurs, diese Höchststände in 2017 nachhaltig zu durchbrechen.

Die Frage, die sich nun stellt, ist für uns recht klar: Ist der Indexanstieg von 6% im S&P 500 oder 8% im DAX gerechtfertigt? Dazu nehmen wir immer unsere Fundamentalanalyse als Grundlage, also die Quartalszahlen von den Unternehmen, die berichtet haben. Und hier sehen wir per Saldo ein durchaus positives Bild! Es gab zwar das ein oder andere Unternehmen in unseren beiden Schwerpunktthemen Technologie und Industrie/Energie, welches leicht unter Erwartungen berichtete, aber per Saldo haben die meisten Unternehmen das geliefert, was im Vorfeld erwartet wurde und teilweise sogar übertroffen. Gerade Technologiewerte zeigten konstant gute Zahlen, einhergehend mit der historischen Situation, dass eigentlich das erste Quartal immer das schwächste im Jahr ist. Ende April wurde das alljährliche Frühjahrsgutachten veröffentlicht (CIO Survey), in dem alle „Entscheider“ der großen US-Unternehmen publizieren, welchen Zuwachs sie für 2017 bei Technologieausgaben vornehmen werden. Dieses Gutachten zeigt für 2017 einen Zuwachs von 4,6% für Technologieausgaben seitens der Unternehmen, nachdem 2016 bereits mit plus 4,0% ein gutes Jahr war. Technologieausgaben dürften in 2017 somit nicht nur gegenüber 2016 weiter steigen, sondern somit auch mehr als doppelt so stark wachsen wie das Bruttoinlandsprodukt der USA. 

Nicht nur Technologie, sondern auch Industrie zeigt erste Anzeichen von zunehmenden Aktivitäten im sogenannten „Corporate Action“-Bereich. Im Gegensatz zu Technologie gab es im Industriebereich mehr Zahlen im Rahmen der Erwartungen und weniger Überraschungen nach oben. Aber das sollte sich durch die Zunahme der genehmigten Energieprojekte im zweiten Quartal mit zunehmender Tendenz im zweiten Halbjahr verändern. Bei den ersten milliardenschweren Projekten fangen hier im Mai die Erdarbeiten an. Die Kombination von zunehmender Gewinndynamik und Corporate-Action in den Unternehmen sowie Steuerentlastungen sollten eine Outperformance im Jahresverlauf ermöglichen.

Es wird nun die Frage sein, ob die Administration Trump die vorgelegten Steuersenkungen durchbekommt. Die ersten 100 Tage brachten eigentlich das, was wir nach dem letzten Research-Trip im Februar in den Webinaren gesagt und im Marktkommentar geschrieben hatten: Die im Wahlkampf und Amtseinführungsrede angekündigten Importzölle finden in der US-Wirtschaft keine Unterstützung. Und so gingen wir davon aus, dass diese 25% Importzoll nicht kommen würden, was sich nun auch so abzeichnet. Auch ein Handelskrieg mit China ist seitens der US-Regierung nicht initiiert worden. Das alles zusammen ist der richtige Weg, denn Handelszölle und Abschottungen tun der Weltwirtschaft nicht gut. Die moderateren Töne seitens der USA sind der richtige Schritt nach vorne.

Peter Dreide, CIO & Founder der TBF | TBF Global Asset Management GmbH