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Nach der Wahl ist vor der Wahl – globale Börsen im Bann der Politik

Das Börsenjahr 2017 steht ganz besonders unter dem Stern politischer Einflüsse mit potenziell negativen Auswirkungen. Ein Garant dafür war schon der Start des neuen US-Präsidenten Donald Trump im Januar. In Europa fokussierte man sich dagegen auf die anstehenden Wahlen in einigen Eurostaaten und die Umsetzung des EU-Austrittsgesuchs Großbritanniens. Die Kapitalmarktexperten waren entsprechend verhalten optimistisch für Aktien, erwarteten steigende Zinsen und einen schwachen Euro.

Trotz dieses Hintergrundes fiel der Jahresstart überraschend positiv aus. So konnten globale Aktien in den ersten Monaten deutlich zulegen. Die Rendite einer Bundesanleihe mit 10 Jahren Restlaufzeit lag kaum verändert nur knapp über der Nulllinie und selbst der Euro konnte sich gegenüber dem US- Dollar gut behaupten. Wie lässt sich diese Entwicklung erklären?

Donald Trump ist sich sicher: seine Politik sei so ermutigend für Verbraucher und Unternehmen, dass sie die zukünftigen Entwicklungen der US-Ökonomie zuversichtlich einschätzen und daher mehr konsumieren und investieren. Tatsächlich dürften die Aussichten auf sinkende Unternehmenssteuern und staatlich finanzierte Ausgabenprogramme die Aktien beflügelt haben.

Doch auch in Europa deuten viele Frühindikatoren eine dynamische Entwicklung der Konjunktur an. Beispielsweise rangierte der viel beachtete ifo-Geschäftsklimaindex im Frühjahr auf dem höchsten Stand seit 2011 und verdeutlichte damit die positiven Erwartungen der Unternehmen. Vor allem solche überzeugenden fundamentalen Nachrichten haben zum guten Jahresstart beigetragen.

Die Entwicklungen zeigen, dass stark politisch beeinflusste Börsen kaum prognostizierbar sind. Ein anderes Beispiel: Wer hätte im Jahr 2016 schon gedacht, dass der DAX per Saldo ein Plus von knapp 7% aufzuweisen hatte, nachdem der Index in den ersten 6 Wochen den schlechtesten Jahresstart seines Bestehens erlebte? Und das obwohl der Brexit und Donald Trump als neuer US-Präsident Realität wurden. Auch die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bei -0,2% p.a. im Sommer 2016 war wohl kaum erwartet worden.

Sicher ist nur, dass uns auch in den kommenden Monaten und Jahren ein großer Einfluss (geld-) politischer Entscheidungsträger erhalten bleiben wird. Global bestehen erhebliche geopolitische und aus protektionistischen Tendenzen entstehende Risiken. In Europa kommt zu den anstehenden Wahlen die ungelöste Staatsschuldenkrise hinzu, in deren Zuge die ultra-expansive Geldpolitik der EZB für Verzerrungen an den Börsen gesorgt hat. Dieser Kurs der Notenbank muss früher oder später revidiert werden, womit ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor entsteht.

Der Kapitalmarkt wird für viele Anleger – egal ob privat oder institutionell – immer unübersichtlicher. Ausgerechnet in diesem Umfeld müssen sich risikosensitive Investoren aufgrund der verbreiteten Null- und Negativzinsen nun aber nach Diversifikationsmöglichkeiten und Anlagealternativen umschauen.

Hier kommen die aktiven Vermögensverwalter ins Spiel. Sie ermöglichen vielen Anlegern erst den Zugang zu für sich allein betrachtet risikoreichen Investments wie Aktien, Rohstoffen oder Währungen. Aufgrund der diesen Anlagen inhärenten Risiken wären buy-and-hold-Strategien oftmals mit zu großen Schwankungen verbunden. Vorgegebene Risikobudgets würden schnell an ihre Grenzen stoßen. Vielmehr sollten durch professionelle Anlagestrategien die Risiken deutlich abgemildert und trotzdem die Renditechancen genutzt werden, wenn sie sich ergeben.

Allerdings müssen sich auch Asset Manager den veränderten Rahmenbedingungen anpassen. Ein wöchentlich tagender Anlageausschuss, deren Teilnehmer sich stark auf die fundamentale Analyse der Kapitalmärkte fokussieren, wird den dynamischen Entwicklungen nicht mehr gerecht. Gefragt sind auf mehrere Anlageklassen anwendbare, schnell agierende, systematische und vor allem gegenüber Strukturbrüchen sehr robuste Investmentprozesse.

 

Carsten Mumm | DONNER & REUSCHEL Aktiengesellschaft