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Rudern statt Segeln

Der Bergbau zählt mit zu den gefährlichsten Berufen. Neben Stolleneinstürzen und Sauerstoffmangel gilt auch der Austritt von sogenanntem Grubengas als Risikofaktor. Das Heimtückische am Grubengas ist, dass die Minenarbeiter es erst dann bemerken, wenn es zu spät ist. In früheren Zeiten hielten sich Minenarbeiter aus diesem Grund Kanarienvögel. Diese Vögel reagierten rechtzeitig auf das Gemisch aus Methan, Kohlendioxid und Stickstoff und warnten somit vor dem aufkommenden Risiko. So wie die Bergbauleute sich Kanarienvögeln bedienten, suchen auch Anleger an den Finanzmärkten nach zuverlässigen Modellen, die vor Kurseinbrüchen warnen. Um es vorwegzunehmen: In der Praxis gibt es keine verlässlichen Modelle. Gebe es diese, würde es nicht immer wieder zu Kursblasen und Crashs kommen.

Dennoch: Es existieren gewisse Indikatoren, die auf die Bildung von Kursblasen hindeuten. Inzwischen sind US-Aktien nach Maßgabe etlicher Bewertungskriterien als hoch einzustufen. Dazu zählt vor allem das langfristig relativ verlässliche Shiller-KGV. Hier wird der aktuelle Börsenpreis im Verhältnis zu den durchschnittlichen realen Gewinnen der vergangenen zehn Jahre betrachtet. Das Shiller-KGV für den amerikanischen S&P 500-Aktienindex liegt per Ende April 2017 bei 29,2. Dies fällt um 81 Prozent über dem seit 1880 gemessenen Median von 16,1 aus. Lediglich zweimal notierte der Wert über dem heutigen Niveau. Dies war unmittelbar vor der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre sowie in den Jahren von 1997 bis 2002, also zu Zeiten der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende. Aus diesem Blickwinkel sind US-Aktien alarmierend teuer.

Wayne Gretzky, einer der besten Eishockeyspieler aller Zeiten, meinte einst: „Ich laufe nicht dorthin, wo der Puck ist, sondern dorthin, wo er als nächstes sein wird.“ Unter diesem Diktum wagen wir nun einen Blick nach vorne. Auf Sicht von etwa fünf bis zehn Jahren sind wir skeptisch bezüglich der Performanceaussichten eines klassischen Aktien/Renten-Portfolios gestimmt. US-Aktien befinden sich nach einer „achtjährigen Einbahnstraße“ bereits in der späten Phase eines Anlagezyklus und sind anspruchsvoll bewertet. An den Rentenmärkten liegen zudem historisch niedrige Zinsen vor und der über drei Jahrzehnte andauernde Verfall von Inflation und Zinsen dürfte in 2016 sein Ende gefunden haben. Der Mix aus tendenziell steigenden Inflationsraten, einer sich normalisierenden Geldpolitik und historisch niedrigem Ausgangsniveau bei den Zinsen stellen einen explosiven Giftcocktail für langfristige Rentenanlagen dar. Die vergangene Zehnjahresperformance des REXP von 4,2% p.a. ist bei einem Rendite-Einstiegsniveau von aktuell 0,4% bei zehnjährigen Bundesanleihen nicht wiederholbar.

Aus unserer Sicht ist es an der Zeit, sowohl an den Aktien- als auch an den Rentenmärkten (und hier vielleicht sogar noch mehr), vom (passiven) Segelmodus auf einen (aktiven) Rudermodus umzuschalten. Natürlich investieren wir weiter in aktive Fondsmanager, die sich als Ziel setzen, den globalen Aktienindex MSCI World oder den globalen Rentenindex Barclays Global Aggregate zu schlagen („Segeln“). Darüber hinaus investieren wir aber im zunehmendem Maße in ausgewählte internationale Asset Manager, die marktunabhängige Erträge als Zielgröße anstreben („Rudern“). Dies sind beispielsweise Long/Short-, Event Driven- und Volatilitäts-Strategien mit möglichst geringen Korrelationen zu den oben genannten Marktindizes. Aber das reicht uns nicht aus. Zusätzliche Performance-Module nutzen wir im Bereich der Taktischen Asset Allokation. Anzuführen ist hier der Erwerb von attraktiven Discount-Strukturen in Phasen eines Anstiegs der Volatilität. Einen Zusatzertrag liefert uns zudem unser proprietäres regelbasiertes Overlay-System. Dieses steuert im Rahmen eines vorab fixierten Risikobudgets die Aktienquote. Das System stockt hierbei ausschließlich bei stärker fallenden Aktienkursen die Risikoquote auf und handelt damit immer strikt antizyklisch.

Dr. Dirk Rüttgers | Do Investment AG