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Wer zu früh bremst, ist nicht lange schnell genug

Der Trump-Effekt hielt auch anfangs 2017 an und verlängerte die Jahresendrallye bis auf ein Dax-Level von rund 12.300 Punkten (S&P500: 2.400 Pkte.).

Wir erwarten, dass die Aufwärtsbewegung im Dax bei 12.400 Punkten ein Ende hatte und nun eine Korrektur auf Levels von 11.100 bis 11.500 im Dax (S&P500: 2.275 bis 2.300 Pkte.) folgt. Wir haben bei 12.350 Punkten unsere Aktienquote nochmals reduzieren. Nach der Korrektur sehen wir ein letztes Markthoch (in diesem laufenden Konjunkturzyklus) und können uns im Dax 12.500-13.000 Punkte in 3Q17 bis 1Q18 sehr gut vorstellen (S&P500: 2.500-2.600 Pkte.). Wir planen entsprechend einen nochmaligen Aufbau von Aktien in der Bodenbildung und sind ab 12.400 Punkten dann tendenziell wieder Verkäufer.

High Yields haben in der Regel einen Vorlauf von ein paar Monaten vor den Aktienmärkten, so dass wir bereits auf dem jetzigen Niveau keine Kurssteigerungen mehr erwarten. Wir können uns aber den selektiven Aufbau von weiteren High Yields mit Fälligkeit bis 2020 gut vorstellen.

Wir sehen Gold in einem mehrjährigen Aufwärtstrend. Im aktuellen Anlauf sollten mindestens das Februarhoch bei 1.264 genommen werden. Wir erwarten im weiteren Verlauf diesen Jahres auch ein deutliches Übersteigen der 2016er Höchststände bei 1.370 US-$/Unze. Wir bleiben voll in Gold investiert.

Der laufende amerikanische Konjunkturzyklus ist reif. Er wird durch die angekündigten Konjunkturprogramme Trumps potentiell noch verlängert und befeuert. Jedoch sind nach der missglückten Abschaffung von Obamacare Zweifel an der grundsätzlichen Durchsetzbarkeit von Trumps Ideen lauter geworden. Jedenfalls trifft ein weiterer konjunktureller Aufschwung auf eine bereits hohe US-Beschäftigung und wird somit zügig zu steigenden Löhnen und steigenden Preisen und somit direkt zu höherer Inflation führen. Diese wird zu stärker steigenden Zinsen seitens der FED führen. Der Erfolg des potentiellen Konjunkturprogramms wird sich hierdurch teilweise selbst eliminieren.

Wir sehen mittelfristig drei elementare Schwierigkeiten, die gegen längerfristig stärker steigende Aktienkurse sprechen:

  1. Normalerweise folgt auf einen reifen Aktienmarkt eine 1 bis 2-jährige Korrektur. Im Gegensatz zum Beginn früherer Korrekturphasen (bspw. 2001 oder 2008) wird der Beginn der diesmaligen Korrektur in (ca.) 2018 aber auf extrem hoch verschuldete Zentralbanken FED und EZB treffen. Ferner haben beide Zentralbanken dann immer noch sehr niedrige Leitzinssätze. Somit wird die sonst übliche Phantasie der Marktteilnehmer ausbleiben (müssen), dass die Zentralbanken in fallenden Aktienmärkten in großem Umfang mittels Liquiditätsstimulus und Zinssenkungen wieder für steigende Aktienkurse sorgen.
  2. Ferner ist die entstandene zeitliche Differenz in der amerikanischen und europäischen Konjunkturkurve kritisch zu bewerten. Der amerikanische Aufschwung hält nahezu ungebrochen seit 2009, d.h. nun 8 Jahre, an. In Europa kam es nochmals 2011 und 2012 durch die Griechenland-Krise zu starken Rücksetzern, so dass der europäische Aufschwung erst 5 Jahre dauert. Sollte die Inflation bereits früher auch nach Europa kommen, wäre die EZB mit einer schwierigen Lage konfrontiert.
  3. Die Amtszeit von Mario Draghi endet im Oktober 2019. Er war der Garant für viel Liquidität und langfristig niedrige Zinsen in Europa. Hiermit hat er auch den schwachen europäischen Ländern eine Basis für Gesundung und Wachstum geboten. Derzeit wird insbesondere Jens Weidmann aus Deutschland als sein Nachfolger gehandelt, was zu einer 180 Grad Wendung in der Haltung der EZB führen dürfte. Entsprechend würde das ohnehin nur unterdurchschnittliche Wachstum Europas nochmals einen Dämpfer bekommen.

Politisch stehen im Laufe des Jahres 2017 in Frankreich und Deutschland Wahlen auf der Agenda. Die Brexit-Verhandlungen werden bis 2019 geführt. Diesen Ereignissen messen wir allenthalben kurzfristige Auswirkungen auf die Kapitalmärkte zu – sie werden grundsätzliche Entwicklungen aber einmal mehr nicht aufhalten können.

Dr. Oliver Stolte | Alpine Trust Management AG